Adiós Spanien, salut Frankreich

Wir fliehen vor dem Regen in Nordspanien bis in die Bretagne

Am Montagmorgen verabschieden wir uns von den Picos und fahren wieder in Richtung Küste. Der Ostermontag ist für die Spanier übrigens kein Feiertag wie bei uns, weshalb bereits gestern großer Abreisetag war. Am Freitag hatten wir Glück, dass wir noch einen Platz bekommen haben, aber jetzt stehen vielleicht noch drei Autos auf der großen Campingwiese.
Gegen Mittag erreichen wir die kleine Stadt Santillana del Mar. Hier legen wir einen Stopp fürs Mittagessen ein und schauen uns die gut erhaltene Altstadt an. Jetzt im April ist hier Nebensaison und vieles hat noch geschlossen aber man merkt trotzdem, dass hier sonst deutlich mehr Touristen unterwegs sind. In mindestens jedem zweiten Haus befindet sich ein Restaurant oder Hotel und in den anderen sind Läden mit dem typischen „Schickschnack“. Wir laufen durch die Gassen und schauen uns ein wenig um – das Symbol für den Jakobsweg ist auch hier wieder an vielen Stellen zu sehen.

Nach einem Kaffee geht die Fahrt weiter bis nach Laredo, wo wir uns einen Werkstatttermin für den kommenden Vormittag holen. Bevor wir Spanien verlassen wollen wir Gustav nochmal ein bisschen Wellness gönnen und das Öl wechseln.
Nachdem wir uns für die Nacht einen Stellplatz in der Nähe des Stadtstrandes gesucht haben beginnt es dann zu regnen. Ein Blick auf die Wettervorhersage verrät uns, dass sich das in den nächsten Tagen nicht ändern wird, denn ein großes Regengebiet sitzt hier im Golf von Biscaya fest… keine tollen Aussichten für die nächsten Tage. Eigentlich wollten wir hier nochmal surfen gehen oder einen Kurs besuchen.

Pünktlich um neun geben wir Gustav in der Werkstatt ab und machen uns auf den Weg in die Stadt. Fürs Frühstück suchen wir uns ein kleines Café, das überraschend gut besucht ist. Was uns auch hier wieder auffällt: während Martin und ich den Tag lieber ruhig beginnen ist hier die Musik sehr laut und wird trotzdem noch von den Gesprächen an den Tischen übertönt. Die Spanier mögen es eben einfach laut und auffällig 😀
Wir warten noch die nächste starke Regenhusche ab und machen uns weiter auf in die Innenstadt. Nicht nur Gustav bekommt heute etwas Pflege – auch ich gönne mir heute mal wieder einen Friseurbesuch. Wir schaffen es noch kurz vor Beginn der zweistündigen Mittagspause Gustav wieder abzuholen und dann geht es auch schon weiter in Richtung französische Grenze. Unser heutiger Stellplatz liegt direkt neben Bakio am Mirador de San Juan de Gaztelugatxe (keine Ahnung wie man das ausspricht), wo wir eigentlich noch hinspazieren wollten. Der starke Dauerregen, Nebel und ein verschlossenes Tor machen uns hier leider einen Strich durch die Rechnung und wir suchen uns eben einfach einen Aussichtspunkt.

Gestern Abend haben wir lange überlegt, ob wir die Regentage einfach abwarten und danach noch ein paar Strandtage hier in Spanien einlegen. Da wir im Mai aber Großbritannien erkunden wollen macht es gerade mehr Sinn das Wetter als Fahrzeit zu nutzen und dann einen kurzen Stopp in der Bretagne einzulegen.

Am Mittwochvormittag geht es für uns Richtung Frankreich; auf dem Weg wollen wir aber auch nochmal einkaufen und einige Vorräte für die nächsten beiden (weniger günstigen) Länder anlegen. Auf der spanischen Autobahn wird es dann auch nochmal spannend… Dazu muss man sagen, dass es in Spanien zwei Autobahntypen gibt, die oft auch parallel laufen: Autopista AP und Autovia A. Die Straßenführung ist oft dementsprechend verwirrend und chaotisch. Während die Autovia immer mautfrei ist, gibt es in einigen Regionen Autopistas mit und in anderen Regionen ohne Maut. Wie wir nun feststellen müssen gibt es im Baskenland noch eine weitere Autobahn, bei der man sich zur Bezahlung eigentlich vorher online anmelden muss. Das erfahren wir aber nur durch Straßenschilder, auf denen eine Internetadresse angegeben ist. Leider gibt es diese Seite nur auf Baskisch, Spanisch oder sehr schlecht übersetztem Englisch… Daher bleibt uns nichts anderes übrig als bei der Hotline anzurufen. Auch dort gestaltet es sich zunächst schwierig einen englischsprachigen Mitarbeiter ans Telefon zu bekommen.
Schlussendlich kann uns dann eine junge Frau helfen, die sich auch mehrmals bei uns für das Wirrwarr entschuldigt. Sie kann ja aber am Ende auch nichts dafür… Trotzdem fragen wir uns manchmal in solchen Situationen, ob eine Reise wie unsere überhaupt noch ohne Smartphone, Kreditkarte und Englisch möglich ist…

Auf unseren letzten Kilometern in Spanien denken wir noch einmal an die letzten Monate und die vielen Erlebnisse und Eindrücke zurück. Insgesamt waren wir jetzt ungefähr zweieinhalb Monate (die Zeit in Portugal rausgerechnet) hier – das ist auf unserer Reise die bisher längste Zeit in einem Land. Wenn wir vorher an Spanien gedacht haben, dann eigentlich eher an lange Sandstrände und viel Sonne. Das stimmt zwar auch, aber es gibt noch so wahnsinnig viel mehr zu entdecken. Im Norden hat uns das viele Grün genauso wie die rauen Felsen und Steilküsten total überrascht. Andalusien mit seinen teilweise wüstenähnlichen Landschaften und der an vielen Orten sichtbaren maurischen Vergangenheit steht dazu im krassen Gegensatz. Uns war auch nicht klar, wie bergig Spanien ist und dass es hier auch abseits der Pyrenäen Skigebiete gibt. Interessant war für uns ebenfalls, wieviele verschiedene Sprachen (Spanisch, Katalanisch, Galizisch, Baskisch…) es hier eigentlich gibt und wie kompliziert die Beziehungen der Regionen untereinander teilweise sind. In einigen Provinzen gibt es mehr oder weniger aktive Unabhängigkeitsbewegungen, die oft auf Plakaten und Straßenkunst thematisiert werden. Bis auf Einzelfälle bekommt man das in unseren Nachrichten ja eher selten mit. Auch die Menschen, die wir hier kennenlernen durften und mit denen wir oft noch in Kontakt sind, haben diese Zeit so abwechslungsreich gemacht. Die Spanier haben wir als sehr hilfsbereite und vor allem feierlustige Menschen kennengelernt. Oft gab es zwar eine Sprachbarriere, aber die wurde einfach mit viel Gestik und lautem und schnellem Spanisch überbrückt 😀 . Eins ist aber wichtig: in der ca. zweistündigen Mittagspause sollte man niemanden stören… 

Die Käsetheke im spanischen Supermarkt stellt mich vor große Entscheidungsschwierigkeiten…  😉 

Kurz vor der Grenze  halten wir nahe Irun nochmal kurz zum Einkaufen und Tanken und dann geht es weiter bis zum nächsten Stellplatz auf einem Pferdehof südlich von Biarritz. Das Feierabendsbier hat Martin sich nach der Fahrt heute wirklich verdient 😀

Am Donnerstagmorgen geht die Fahrt dann weiter in den Nordwesten bis kurz vor Nantes. Da wir in Frankreich die Mautstraßen meiden, weil sie auf Dauer einfach zu teuer (0,10 € pro Kilometer) sind, zieht sich die Strecke ganz schön hin. Gegen Nachmittag erreichen wir dann auch endlich den Rand des großen Regengebietes und sehen seit Tagen mal wieder die Sonne. Heute wechseln wir auch mal die Sitzplätze und ich fahre nach dem Kaffee bis zu unserem heutigen Stellplatz – heute gibt es für uns beide einen leckeren Sundowner 😉

Das gute Wetter hält sich bis zum nächsten Morgen und wir genießen ein entspanntes Frühstück bei Sonnenschein bevor wir nach Nantes aufbrechen. Von Ute und Björn haben wir den Tipp bekommen uns den „Maschinenpark“ auf der Ile de Nantes anzuschauen. Eine Gruppe von begeisterten Bastlern baut hier verschiedenste Tiere und auch Pflanzen nach, die sich dann entsprechend ihrem Vorbild bewegen können aber so groß sind, dass man darauf sitzen kann. Das Ganze ist auf jeden Fall sehr beeindruckend und es lohnt sich unserer Ansicht nach auch ein Ticket für den Innenbereich zu holen. Besonders beliebt bei den Kindern ist der riesige Elefant, der mit seinem Rüssel Wasser in die Menge spritzt. Der Mitarbeiter, der heute den Elefanten fährt, scheint aber auch sehr großen Spaß dabei zu haben… könnte aber auch daran liegen, dass er ab und zu seine herumlaufenden Kollegen „versehentlich“ bewässert 😉
Es gibt außerdem auch eine riesengroße bewegliche Spinne. Finde ich persönlich jetzt nicht unbedingt so schön, aber ich versuche einfach die handwerkliche Leistung dahinter zu sehen…

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Bevor wir dann in die Innenstadt weiterlaufen holen wir uns bei einem Bäcker jeweils eine leckere Quiche und ein Baguette für abends. Mmh, da freue ich mich jetzt schon drauf 🙂 . Als Nachtisch gibt es unterwegs noch einen leckeren Crepe mit Nutella…
Die Altstadt von Nantes gefällt uns richtig gut, denn es gibt richtig viel zu entdecken: kleine Bücherläden, Ateliers und Galerien, Geschäfte mit schönen Karten oder Kunstdrucken und sogar einen an Harry-Potter-Themenladen. Dafür kann Martin sich zwar nicht so unbedingt begeistern aber auch ihm gefallen die vielen alten Häuser und die entspannte Atmosphäre. Am späten Nachmittag gönnen wir uns noch ein kühles Getränk in einer ruhigen Bar am Loire-Ufer.

Nantes ist die Geburtsstadt des berühmten Schriftstellers Jules Verne

Die kommende Nacht wollen wir auf einem Weingut ganz in der Nähe von Nantes verbringen. Als wir dort ankommen ist außer uns bereits eine junge Frau aus Deutschland auf dem Stellplatz, die auf die Ladefläche ihres Pritschewagens eine abnehmbare „Schlafkabine“ gebaut hat. Ungewöhnliche Reisemobile machen uns immer wieder neugierig und so kommen wir schnell ins Gespräch und verbringen den Abend gemeinsam mit Rosa.
Da wir am vorherigen Abend zu spät für die Weinprobe angekommen sind können wir diese netterweise auch am Samstagvormittag um 11 Uhr machen. Einziger Haken: heute ist nur der Senior-Winzer vor Ort und dieser spricht sehr wenig Englisch. Naja, ein bisschen Französisch verstehen wir ja auch und sonst nehmen wir eben den Google-Übersetzer 😀 .

Anfänglich sind wir noch etwas zurückhaltend aber der Winzer beantwortet geduldig alle unsere Fragen zu seinem Hof, dem Wein und auch der Umgebung. Wir haben erwartet vielleicht fünf verschiedene Weine zu probieren, aber wir gehen jede einzelne der ungefähr 15 Sorten durch, bekommen Tipps zu welchem Essen sie passen und erfahren sonst auch noch Einiges über die Herstellung von Wein.
Wir sind noch nicht am Ende der Verkostung angekommen als sich ein paar Nachbarn aus dem Dorf zu uns gesellen. Vermutlich wollen sie sich vor dem Mittag noch einen guten Tropfen gönnen – uns erinnert es an das Frühschoppen bei uns zuhause 😀 . Schlussendlich bekommen wir auch noch zwei Proben von einem befreundeten Weingut vorgestellt und ich bin eigentlich bereit für einen kleinen Mittagsschlaf. Der Senior-Winzer wirkt im Gegensatz zu uns aber noch taufrisch und stößt mit seinen Nachbarn an. Wir kaufen einige Flaschen guten Wein und kochen uns erstmal ein leckeres Mittagessen, denn eigentlich wollten wir am Nachmittag noch weiterfahren…

Nach einem deftigen Essen und einer etwas längeren Mittagspause schaffen wir es dann doch noch uns aufzuraffen und fahren weiter bis nach Le Croisic. Dies ist eine kleine Hafenstadt auf einer Halbinsel etwa 90 km westlich von Nantes. Von unserem Stellplatz aus haben wir einen tollen Blick über das Meer. Da sich der Himmel doch noch ein wenig aufzuklaren scheint machen wir uns zu einem Abendspaziergang auf und entdecken dabei eine wunderschöne und gemütlich Altstadt mit vielen Restaurants und Galerien in den verwinkelten Gassen.

Am folgenden Sonntagmorgen holen wir uns beim Bäcker leckere frische Croissants und wieder ein Baguette – daran könnte ich mich wirklich gewöhnen 🙂 . Um mit Aussicht frühstücken zu können fahren wir weiter zu den marais salants de Guérande. Das ist eine  Art riesige Salzwiese, in der sich unzählige kleine „Teiche“ zur Salzgewinnung befinden. Auf jeden Fall ein sehr interessanter Anblick und Martin beschließt die Drohne zu starten und sich das Ganze mal von oben anzuschauen. Aus der Vogelperspektive könnte man fast denken man ist in einer anderen Welt…

Nach unserem späten Frühstück machen wir einen kurzen Abstecher in die nahegelegene Kleinstadt Guérande. Deren Stadtmauer ist noch komplett erhalten und auch die darin befindlichen Häuser wirken sehr urig. Wir spazieren durch die Straßen und lassen die Atmosphäre auf uns wirken. Gefühlt an jeder Ecke gibt es einen Stand der Crepes oder Galettes anbietet. Galettes, eine Art Crepe aus Buchweizenmehl,  sind DAS typische Essen in der Bretagne, wie wir bald feststellen. Man kann sie süß aber oft auch herzhaft genießen… und das werden wir in den nächsten Tagen auch ausgiebig tun 😉

Später fahren wir weiter bis nach Vannes – auch eine schöne bretonische Stadt mit vielen typischen Fachwerkhäusern. Generell haben wir festgestellt, dass es in dieser Gegend fast nur schöne und gemütlich Orte gibt. Eigentlich sind wir bisher nicht so die größten Stadtfans gewesen und haben und eher kleine Dörfer und Landschaften angeschaut. Aber die Bretagne belehrt uns eines Bessere 😉 . In Vannes bummeln wir wieder durch die Altstadt, schauen uns die vielen schönen (und oft sehr schrägen) Häuser an und genießen noch einen leckeren Kaffee bevor es dann zum Stellplatz nach Quiberon ans Meer weitergeht.

Die beiden langen Fahrtage und auch das neue Land fordern nun so langsam ihren Tribut. Irgendwie hatten wir uns schon so sehr an Spanien gewöhnt, dass nun die Umstellung auf Frankreich und die andere Sprache doch etwas schwer fällt. Auch die knapp 1000 km (oft auf der Landstraße) vom Picos-Nationalpark bis in die Bretagne machen sich bemerkbar. Am Abend sind wir einfach nur fertig und fallen ins Bett und nehmen uns vor in der kommenden Woche einen Campingplatz zu finden, auf dem wir mal ein paar Tage länger bleiben…

Am heutigen Sonntag fand die Präsidentenwahl in Frankreich statt...

2 Kommentare

  1. Hallo ihr beiden, wieder herrliche Berichte und Fotos. Ich muss sagen ihr habt bisher viel erlebt. Bleibt für den Rest eurer Reise schön gesund und genießt noch die Tage. Ich verabschiede mich auch erst einmal in den Urlaub, aber nicht so lange wie Ihr, nur eine Woche Gardasee.
    Gruß Ulrike

    • Vielen Dank für die lieben Worte und das positive Feedback 😀. Da das Jahr langsam endet haben wir in der letzten Zeit auch immer mal wieder an die Zeit zurückgedacht und freuen uns dabei was wir alles erleben und sehen durften. Wir wünschen dir ganz viel Spaß im Urlaub und bis bald auf Arbeit

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