Eine entspannte Woche in Litauen

Ruhige Tage am kurischen Haff und der Hauptstadt Vilnius

Nachdem wir den Sonntagabend entspannt auf dem Stellplatz des lettischen Weingutes Drubazas in der Nähe von Sabile verbracht haben, fahren wir heute nach Litauen weiter. Vorher machen wir aber noch eine kleine Verkostung und erfahren dabei vom Winzer einige interessante Fakten zum Weinanbau in Lettland. So stellen zum Beispiel viele Leute Fruchtweine selbst her, aber mit Trauben macht das fast niemand hier. Außerdem pflanzt er sehr spezielle Rebsorten an, die den strengen Winter (mit bis zu -30°) aushalten. Was uns auch wundert: der junge Winzer – schätzungsweise in unserem Alter – spricht sehr gutes Deutsch. Wir fragen ihn natürlich danach und finden heraus, dass man in Lettland bei der zweiten Fremdsprache zwischen Deutsch und Russisch wählen kann.

Der Winzer schenkt uns zum Abendessen frische Trauben 🙂

Wir entscheiden uns dazu einen Weißwein und einen Quittenwein mitzunehmen und starten dann am frühen Nachmittag in Richtung litauische Grenze. Unterwegs machen wir Halt in Kuldiga, einer kleinen Stadt mit schöner Altstadt. In den alten Häusern befinden sich heute zahlreiche Cafés, Restaurants und interessante Läden für Kunsthandwerk. Kuldiga ist aber auch wegen seines Wasserfalls Ventas Rumba bekannt, der zwar nur knapp 2 m hoch ist, dafür aber über 100 m breit und somit der breiteste Europas 😉 . Wir schlendern ein wenig durch die alten Gassen bis zum Wasserfall bevor wir dann zur letzten Etappe bis zur Grenze aufbrechen. Da Martin aufgrund seiner Erkältung nicht so richtig fit ist, fahre ich die restliche Strecke.

Für diese Nacht haben wir uns einen Stellplatz bei Sventoji kurz nach der Grenze ausgesucht, der hinter den Dünen direkt an der Ostsee liegt. Eigentlich bin ich ziemlich fertig von der Fahrt, aber natürlich müssen wir erstmal ans Meer – vielleicht sehen wir noch was vom Sonnenuntergang 🙂 . Auf dem Weg dahin kommt uns ein junger Kater entgegen, der sehr zutraulich ist und uns sogar bis ans Meer begleitet. Da er aber sehr gepflegt aussieht und auch nicht wirklich scheu, vermuten wir, dass in dem nahe gelegenen Wohngebiet bestimmt Menschen auf ihn warten. Schade, eine Buskatze könnten wir uns schon gut vorstellen… aber für das Tier wäre unsere Reise sicher nichts 🙁 Wir lassen den Montag dann noch ruhig im Bus bei einem warmen Feierabendsbier ausklingen.

Da Martins Erkältung sich nicht wesentlich gebessert hat, beschließen wir auf dem nächsten Stellplatz mal mindestens drei Tage zu bleiben, damit wir auch mal etwas zur Ruhe kommen. Das ständige Weiterreisen bringt uns zwar auch immer an neue, spannende Orte aber um auch mal wirklich anzukommen braucht man dann eben ein paar Tage. Wir finden einen Stellplatz in Dreverna, einem kleiner Fischerörtchen am kurischen Haff, wo man im Garten der Tourist-Info (in der sich auch ein Bootsbau-Museum befindet) günstig stehen kann. Vor allem haben wir aber auch den „Luxus“ einer Toilette und Dusche gleich nebenan. 😉

Typische Boote des kurischen Haffs
In der Bootsbauerwerkstatt

Da wir außerhalb der Saison hier sind, ist auch wirklich nicht viel los. Wettermäßig ist es auch schon richtig herbstlich – außer am Mittwoch ist es die ganze Zeit kalt, regnerisch und sehr windig. Wir erkunden die nähere Umgebung und schauen uns eine Hängebrücke, eine Schleuse aus alten Kaiserzeiten und den Leuchtturm in Venté an und gehen lecker Fisch essen. Wir spazieren zum Hafen in Dreverna und besuchen das Museum über Jonas Gizas, einem bekannten litauischen Schiffsbauer. Immer wieder begegnen uns dabei deutsche Wörter und Namen, denn vor etwas über 100 Jahren gehörte das sogenannte Memelland noch zum deutschen Kaiserreich.

Am Freitag starten wir dann in Richtung Vilnius. Zuerst lassen wir aber noch in einer Werkstatt in Klaipeda neue Vorderreifen an unseren Gustav montieren. Das Profil hat sich hier unerwartet schnell abgenutzt und für den kommenden Winter brauchen wir dann doch etwas mehr Grip 😉
Litauens Hauptstadt Vilnius liegt relativ weit im Osten des Landes, sodass wir nach circa zwei Dritteln der Strecke noch einen Übernachtungsstopp einlegen. Am Samstagvormittag fahren wir dann weiter; Martin hat als Überraschung für uns zwei Nächte in einem Hotel gebucht, denn leider haben wir online keinen schönen Campingplatz in der Stadt gefunden. Außerdem möchten wir unseren Gustav ja auch sicher abstellen 🙂 Nach einer kurzen Pause im Hotelzimmer gehen wir am Abend noch lecker litauisch essen (zum Beispiel die typische pinke Suppe aus roter Beete und Kefir) und setzen uns dann noch für einen kleinen Absacker an die Hotelbar.

Was uns in Litauen übrigens aufgefallen ist, dass man aufgrund von Corona in jedem Restaurant, jeder Bar und auch im Supermarkt oder Einkaufszentrum einen QR-Nachweis bringen muss. Selbst in unserem Hotel steht am Eingang ein Drehkreuz, bei dem wir unser EU-Zertifikat einscannen müssen.

Vor ungefähr sechs Jahren habe ich mit einer Freundin über Silvester Vilnius schon einmal besucht. Wir waren aber nur drei Tage hier und an sehr viel kann ich mich leider auch nicht mehr erinnern… Nur dass es richtig kalt war (tagsüber -20°, was die Litauer aber anscheinend gewöhnt sind), man in Vilnius sehr gut und günstig essen gehen kann, und die Stadt weniger touristisch als Riga oder Tallinn war. Daher habe ich mich sehr darauf gefreut, Vilnius einmal bei etwas angenehmeren Temperaturen zu erkunden. Der Sonntag beginnt sehr sonnig und wir starten recht zeitig am Vormittag. Zunächst schlendern wir erstmal durch die Innenstadt und erreichen schließlich den Kathedralenplatz. Hier findet heute anscheinend eine Veranstaltung mit Feuerwehr, Notarzt, Polizei und Militär statt bei dem man sich in die Autos setzen und alles ausprobieren kann. Schon recht interessant, aber wir fanden es ziemlich krass, dass auch Waffen u.ä. zum „anfassen“ da sind…

Die Kathedrale St. Stanislaus schauen wir uns auch gleich noch an und laufen dann weiter in den Stadtteil Uzupis. Übrigens gibt es in Vilnius gefühlt an jeder Ecke einer Kirche, und von innen sind diese oft auch richtig prunkvoll. Anders als Estland oder Lettland ist Litauen ähnlich wie Polen katholisch geprägt.
Der Stadtteil Uzupis ist im Gegensatz dazu eine Art Künstlerviertel beziehungsweise wurde hier eine eigene Republik gegründet, die auch eine Verfassung hat (die man aber nicht sehr ernst nehmen sollte 😉 ). Uns gefällt es hier aber sehr gut, denn man kann an jeder Ecke Straßenkunst, Cafés, kleine Galerien und Kunsthandwerk entdecken. Außerdem wirken die Leute hier größtenteils richtig entspannt und es kommt uns nicht so vor, als wäre man in einer Großstadt. Generell kommt Vilnius sehr entspannt und unaufgeregt vor; das einzig Störende ist der Autoverkehr denn in der Innenstadt gibt es leider nicht viele Fußgängerzonen.

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Die „Verfassung“ der Republik Uzupis ist in über 50 Sprachen übersetzt und enthält zum Beispiel Artikel wie: 

4. Jeder Mensch hat das Recht sich zu irren.

5. Jeder Mensch hat das Recht einzigartig zu sein.

10. Jeder Mensch hat das Recht eine Katze zu lieben und für sie zu sorgen

13. Eine Katze ist nicht verpflichtet ihre Hausherrn zu lieben, aber in schweren Momenten muss sie ihm beistehen

Vom Künstlerviertel laufen wir dann wieder zurück in die Altstadt und machen zum Mittagessen Halt in einem litauischen Restaurant. Heute probieren wir sogenannte Zeppelinas aus. Das sind sehr große längliche Kartoffelklöße mit Fleischfüllung (was sonst 😀 ), die mit geröstetem Schinken und Schmand serviert werden. Wie wir später erfahren hängt deren Entstehung mit der preußischen Vergangenheit zusammen. Als Thüringer freuen wir uns aber natürlich über die Ähnlichkeit zu unseren Klößen zuhause; vor allem weil heute Sonntag ist. 😉

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Bis zum Nachmittag erkunden wir noch ein wenig die Altstadt und entschließen uns dann zum Kaffee in ein Katzen-Café zu gehen. Da heute sehr viele Besucher hier sind, haben die Katzen wahrscheinlich auch nicht so viel Lust, sich streicheln zu lassen – kann man ja aber auch irgendwie verstehen… Nach diesem ganzen Essen wollen wir uns aber nochmal bewegen und laufen weiter zum Gediminas-Turm, von dem man einen tollen Blick über die Stadt hat. Da heute schönes Wetter ist, starten am späten Nachmittag viele Heißluftballons zu einer Rundfahrt. Wir genießen einfach mal die Aussicht und auch die Ruhe hier oben 🙂

10 Kommentare

  1. Gute Besserung Martin und viel Spaß weiterhin euch beiden!

    wünscht ehemalige Kollegin Astrid (TLLLR)

    • Hallo Astrid, vielen Dank für deinen Kommentar und die Grüße. Mir ging es dann seit Vilnius wieder ganz gut. So ein Männerschnupfen zieht sich halt immer etwas in die Länge.
      Viele Grüße

  2. Huhu Louise,

    Eric hat mich auf Eure Seite aufmerksam gemacht. Schon mal Daumen hoch für all deine schönen Blogeinträge, das liest sich sehr gut. Ich wünsche Euch für die weitere Reise alles Gute und keine Pannen. 😉
    Bleibt gesund.
    LG Mike

    • Hey Mike,
      schön, dass du mal bei uns vorbeischaust 😉
      Danke für das Lob und wir hoffen natürlich auch weiterhin keine Pannen o.Ä. zu haben.
      Viele Grüße nach Neustadt und an die Kollegen 🙂

  3. Hallo, ihr Beiden, das ist ja ein spannender Bericht über Litauen.
    Die Katzenfreundlickeit gefällt mir sehr.
    Sehr schöne Fotos.
    Liebe Grüsse und bis bald.

    • Hallo Oma,
      Vielen Dank für deinen Kommentar :). Ja die Katzenliebe bei den Menschen aus dem Stadtteil Uzupis ist nicht nur an der Verfassung zu sehen. An jeder Ecke sind sie als Thema gegenwärtig. Uns als Katzenfans freut das natürlich genauso.

  4. Uzupis klingt ja wunderbar 😀 Interessante Rezeptanregungen übrigens, vielen Dank dafür. Die rote Bete-Suppe werd ich bestimmt mal nachkochen 😉
    Viel Vergnügen weiterhin!

    • Hey Maria 🙂
      Ja, die „Verfassung“ in Uzupis sowie generell der Stadtteil hat uns super gefallen. Die Rote-Beete-Suppe ist vor allem an warmen Tagen richtig lecker, weil sie kalt gegessen wird. Viel Erfolg beim Kochen 😉
      Liebe Grüße nach Hause

  5. Bernd Stettner

    Hallo ihr Beiden, vielen Dank für eure tollen Berichte und Reisebeschreibungen. An einigen Orten in Norwegen und dem Baltikum war ich auch schon anwesend. Bei meinen landwirtschaftlichen Studienreisen mit Bauern aus dem Oberland habe abseits der Touristenrouten einige interessante Orte kennen gelernt. Tolle Fotos im Blog, macht weiter so. Euch weiter eine tolle Zeit, schöne Erlebnisse und bleibt gesund. Grüße von Bernd

    • Vielen dank Bernd für das positive Feedback. Ich bzw wir können gut nachvollziehen, dass du die von dir beschriebene Art des Reisens touristischeren Touren vorziehst :).

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